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Theater für die Ohren: Audiodeskription im Schultheater
Auf dem Balkon der Aula der Goethe-Schule, auf dem sonst die Techniker*innen mit den Verfolger-Scheinwerfern stehen, sitzen zwei Frauen mit Laptop und Ipad. Schon kurz bevor das Stück „Auf der Suche nach Theo“ beginnt, spricht eine von ihnen leise ins Mikrofon ihres Headsets. Sie beschreibt das Bühnenbild und die Personen, die kurz danach auf der Spielfläche erscheinen werden. Den Text, den sie spricht, hat sie vor sich auf ihrem Laptop. Er setzt sich zusammen aus den Dialogen des Stücks und den Beschreibungen für das blinde und sehbehinderte Publikum, die sie so gut wie möglich in die Lücken der Wortwechsel auf der Bühne schiebt. Während eines langen Blackouts bietet sich eine Möglichkeit für etwas mehr Input. Die Sprecherin beschreibt nun die folgende Szene, die Änderungen im Bühnenbild und die Lichteinstellungen. Ihre Kollegin liest auf dem Ipad mit und übernimmt nach ca. 20 Minuten das Mikrofon.
„Steht mit dem Rücken zum Korb, wirft und trifft“, „wirft und trifft“, „wirft und trifft“, „wirft und – trifft nicht“ wird eine Szene über die Kopfhörer beschrieben, in der eine der Protagonistinnen wiederholt auf einen Basketballkorb zielt. Auch werden Gesten und Requisiten erwähnt. Die Audiodeskription in die Lücken zu quetschen, scheint teilweise gar nicht so einfach zu sein. Hin und wieder werden die Sprecherinnen auch von spontanem Applaus unterbrochen. Diesen können die Empfänger*innen der Hörbeschreibung, genauso wie den Dialog auf der Bühne, durch die ultra-leichten Kopfhörer problemlos hören.
Die beiden Sprecherinnen der Audiodeskription für „Auf der Suche nach Theo“ sind Lehrerinnen am Landesförderzentrum Sehen und Teilnehmerinnen einer Fortbildung zum Thema Audiodeskription. Letztere war die Umsetzung einer Idee von Karl Elbl, Mitorganisator der Schultheaterwoche und Zuständiger für Barrierefreiheit, und Martina Müller-Korn, ebenfalls Lehrkraft am Landesförderzentrum Sehen. In Zusammenarbeit mit dem IQSH wurde die Fortbildung in Vorbereitung auf die Schultheaterwoche konzipiert, um die Teilhabe am Festival zu verbessern. Die Teilnehmerinnen der Fortbildung, teilweise Lehrkräfte des LFS, teilweise Theater-Lehrerinnen anderer Schulen, hatten die drei Aufführungen „Im Schatten der Vielfalt“, „Bodybild“ und „Auf der Suche nach Theo“ untereinander aufgeteilt. Die recht simple Basis für die Auswahl der Stücke, welche von einer Audiodeskription begleitet werden sollten, war die rechtzeitige Fertigstellung des Stücks und eine Meldung an das Team der STW. Die Stücke wurden als Videos den Teilnehmerinnen der Fortbildung bereitgestellt, die aus diesen dann Informationen extrahierten, die ein blinder Mensch nicht hörend wahrnehmen kann. Anschließend haben sie nach Lücken im Stück gesucht, um diese stattdessen auditiv mitzuteilen. Die Lehrerinnen haben während des Prozesses in Richtung erfolgreicher Audiodeskription für „Auf der Suche nach Theo“ einiges lernen können. Ein wichtiger Aspekt war dabei: Jede Probe, jede Aufzeichnung und auch jede Aufführung ist anders. Immer wieder gibt es Änderungen, immer wieder muss der Begleittext spontan angepasst werden. Für eine reibungslose Audiodeskription muss man das Stück, und vor allem seine Lücken, gut kennen.
Auch für die nächsten Jahre hoffen die neugebackenen Sprecherinnen und Karl Elbl darauf, beim Schultheaterfestival Audiodeskriptionen anbieten zu können. Abhängig wird dies natürlich davon sein, ob es Menschen im Publikum gibt, die eine solche Hörbeschreibungen vom Bühnengeschehen benötigen. Das bedeutet nicht, dass es sich dabei notwendigerweise um eine explizite Gruppe von sehbehinderten oder blinden Schüler*innen handeln muss, sondern umfasst selbstverständlich auch Einzelpersonen im Publikum. Zusätzlich werden Bühnenbegehungen und Kurzeinführungen in das Bühnenbild als sinnvoll erachtet, wie es sie auch schon bei der diesjährigen Theaterwoche teilweise gegeben hat. Ein weiteres erstrebenswertes Ziel wäre für das Team Audiodeskription auf der STW SH 25 auch, die Praxis der Audiodeskription für das Schultheater bundesweit zu etablieren, um die Teilhabe daran zu fördern.