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Aufführung 9: Auf der Suche nach Theo  – Auf dem Bild sieht man die Gruppe von sieben Schüler*innen. Sie stehen im Scheinwerfer Licht vor ihrem Bühnenbild, welches mit lila Licht angeleuchtet wird. Dazu tragen sie verschiedenfarbige Tücher. Auf der Bühne, als Bühnenbild, ist in der Szene ein Schrank in Form von Spinden zu sehen. Dieses Requisit wird im laufe der Aufführung vielseitig eingesetzt.

Aufführung

Aufführung 9: Auf der Suche nach Theo

Gepostet am 15. 03. 2025 von Johannes Fiebelkorn

Am letzten Tag der Schultheater-Woche Schleswig-Holstein 2025 präsentierte die 10. Klasse der Emmi-Bonhoeffer-Schule das Stück „Auf der Suche nach Theo“. Schon vorweg: Die rein weibliche Gruppe hat es geschafft, ein eindrucksvolles, berührendes und klug durchdachtes Theatererlebnis auf die Bühne zu bringen. Besonders hervorzuheben ist dabei das einfallsreiche Bühnenbild, das nicht nur als Kulisse diente, sondern durch seine Wandelbarkeit ein lebendiges Element der Inszenierung wurde. Die Spinde, die sich drehen und von beiden Seiten unterschiedlich gestaltet waren, dienten mal als Durchgang, mal als geheime Rückzugsorte, mal als Basketballkorb – ein kreativer Schachzug, der die Handlung hervorragend unterstützte und der Aufführung einen eigenen Charakter verlieh.

Neben der starken visuellen Ebene überzeugte auch die schauspielerische Leistung der Gruppe. Ein besonderer Gänsehaut-Moment war die Szene, in der Gerüchte sich wie ein Lauffeuer verbreiteten. Die Dynamik, die durch das laute, chorische Anschreien entstand, zog das Publikum mitten ins Geschehen – ein Magic-Moment, der lange nachhallte, auch wenn er vielleicht noch ein paar Sekunden länger hätte dauern dürfen, um seine volle Wirkung zu entfalten. Auch die ruhigeren, feinfühligen Szenen zeigten die Stärke des Ensembles: Etwa als Jess und Lia an den Spinden lehnten, über ihre gegenseitige Bewunderung sprachen, ohne sich dabei zu sehen. Hier wurde die innere Zerrissenheit, die die beiden trennt und doch verbindet, sehr authentisch und nachvollziehbar gespielt.

Doch so stark viele dieser Szenen auch waren, gab es auch Punkte, an denen das Stück sein eigenes Potenzial nicht ganz ausschöpfte. Besonders auffällig war, dass manche Handlungsstränge nicht zu Ende erzählt wurden. So blieb beispielsweise offen, wie es nach der Erpressung von Laura weiterging, als ihr gedroht wurde, ihre Eltern zu informieren, falls sie nicht spurt. Gerade solche Konflikte hätten eine weitere Klärung verdient, um die Charaktere und ihre Entwicklung nachvollziehbarer zu machen. Auch inhaltlich wäre es wünschenswert gewesen, wenn das Stück die aktuellen gesellschaftlichen Diskussionen rund um Feminismus noch stärker in den Fokus gerückt hätte. Themen wie Gender Pay Gap, das Recht auf körperliche Selbstbestimmung oder der Umgang mit sozialen Medien und digitaler Gewalt wären spannende Ergänzungen gewesen, um die Relevanz des Stücks für die heutige Lebenswelt noch deutlicher herauszustellen.

Trotz dieser kleinen Schwächen beeindruckte das Stück mit vielen kreativen und emotionalen Momenten. Besonders gelungen war der Einsatz von Tüchern, die sich wie ein roter Faden durch die Aufführung zogen. Anfangs ließ das Publikum noch rätseln, wofür sie wohl stehen könnten, bis sich im Verlauf der Handlung ein Aha-Moment einstellte, als ihre Bedeutung klar wurde – ein schönes, dramaturgisch starkes Mittel. Auch der gemeinsame Spray-Moment der beiden Verliebten war ein Highlight: Wie die beiden beim Spayen ihre Gefühle ausdrückten, erinnerte fast an Filmszenen, in denen jemand einem anderen etwas beibringt – zart, vorsichtig, nahbar. Ebenso gelungen war der chorische Gesang, der als frisches und überraschendes Element eingesetzt wurde und das Stück um eine weitere Ebene bereicherte.

    Insgesamt war „Auf der Suche nach Theo“ ein sehr gelungenes Stück mit beeindruckenden Ideen, einem hervorragend umgesetzten Bühnenbild und vielen berührenden Momenten. Die Themen, die es behandelte, sind wichtig und wurden von den Darsteller*innen glaubhaft auf die Bühne gebracht. Mit einer stärkeren inhaltlichen Tiefe und einer konsequenteren Ausarbeitung mancher Handlungsstränge hätte das Stück sein großes Potenzial noch mehr entfalten können. Trotzdem bleibt es als kraftvolle und kreative Inszenierung in Erinnerung, die die Zuschauer*innen zum Nachdenken anregte – weiter so!

    Geschrieben am 15.03.2025 von Johannes Fiebelkorn und Annika Schulz 

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