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Workshop
Der Mann mit den Zetteln ist da!
Wenn Michael Müller einen Workshop anleitet, dann hat er immer eine Menge Zettel in unzähligen Klarsichthüllen dabei, die er fröhlich verteilt. Dies tut er aber erst, nachdem er uns aufgewärmt hat, wobei er jede Übung als "witzig", "lustig" oder "toll" anpreist. Und das sind sie tatsächlich auch. Er ist ganz begeistert davon, wie viel unsere Gruppe von 15 Erwachsenen ins Spiel kommt und sich auf alles einlässt, was er in petto hat.
Mit Textauszügen aus Kafkas Tagebüchern und seiner Erzählung "Das Schloss" haben wir aus der Improvisation heraus Bewegungsfolgen und kleine Choreografien entwickelt. Und auf einmal ist einem Kafka wieder ganz nah an einem selbst und im Heute. Auf einmal ist in Kafkas Texten auch eine Job-Description von Lehrkräften wiederzufinden, auf einmal tauchen die im "Schloss" enthaltenen Sätze harscher Ablehnung in ganz anderem Licht auf. Da geht es auf einmal mit einer Bewegungsanweisung (Schleppe sehr Schweres durch eine Wüste, hoffnungsvoll nach vorn blickend!) um Flucht und Vertreibung. Da sieht man auf einmal Schicksale vor sich und nicht mehr Kolleginnen und Kollegen, die man zum Teil schon jahrelang kennt. Da fließen auch Tränen, da kümmert man sich liebevoll umeinander, da ist man behutsam, lotet aus, was geht und was nicht geht. Da ist Trauer, da ist Trost, da ist man als Gruppe beisammen.
Da erlebt man Theater, wie man sich als Lehrkraft wünscht, dass Theaterarbeit in Schüler*innen-Gruppen läuft: Fühlen, nicht denken! Machen, nicht diskutieren! Probieren, überarbeiten, verwerfen, weitermachen! und vor allem: Gehen, gehen, gehen!