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Macht, Manipulation und Magie - Die Wahrheit der Mühle  – Man sieht mehrere Personen auf der Bühne, welche unter buntem Licht und erleuchteter Disko-Kugel am Tanzen sind. In der Mitte steht leicht erhöht ein Person mit weißem Jacket.

Aufführung

Macht, Manipulation und Magie - Die Wahrheit der Mühle

Gepostet am 14. 03. 2025 von Janne Meret Krieg

Aufführung 5 : Das Geheimnis der Mühle

Die Theater-AG aus Louisenlund präsentierte die Geschichte von Krabat, einem Waisenjungen, der in einer dunklen Mühle als Lehrling aufgenommen wird. Dort entdeckt er, dass die Meisterin keine Müllerin, sondern eine Zauberin und erfolgsgierige Businesswoman ist, die ihre Gesellen und Gesellinnen in die schwarze Magie einweiht. Auch Krabat kann zunächst der Verführung der zauberhaften Macht nicht widerstehen. Doch die düstere Wahrheit offenbart sich: Jedes Jahr stirbt einer der Lehrlinge, um die Macht der Mühle zu erhalten. Krabat beschließt am Ende des Stückes, sich seinem vermeintlichen Schicksal zu widersetzen, indem er sich dem Aufstieg in der Mühlenhierarchie entzieht. Mit der Liebe eines Mädchens und der Kraft der Freundschaft gelingt es ihm, den Bann zu brechen und die Mühle zu zerstören, um sich und seine Freunde zu retten.

Mit einem beeindruckenden Bühnenbild zog uns Louisenlund sogleich in die Geschichte und das Geschehen rund um die Mühle. Bereits vor der Aufführung drehte sich das Mahlwerk der Mühle auf der Bühne und wurde so zum Leben erweckt. Dieses blieb das ganze Stück über als zentrales Element im Zentrum der Bühne und somit auch im Zentrum des Geschehens. Unaufhaltsam wie ein ewig drehender Strudel zog das Mahlwerk nicht nur Krabat sondern auch die Zuschauer*innen in die beinahe sektenartigen Abläufe und Regeln der magischen Mühle. Auch die Machtposition der Meisterin und des noch höhergestellten Herrn Gevatters wurden durch das Bühnenbild verdeutlicht: Ein Podest in der rechten Bühnenecke, das nur jene, die mächtig genug waren, betreten durften, versinnbildlichte die Hierarchien und Rangordnungen innerhalb der Mühle.

Nicht nur das Bühnenbild, sondern auch choreographische Elemente in Kombination mit chorischem Sprechen führten dazu, dass die Gesellen in der Mühle zu einer gleichgeschalteten Gemeinschaft wurden, welche blind den vorgegeben Ritualen der Meisterin folgte. Man konnte förmlich mitfühlen, wie Krabat diese Rituale - ohne sie zu hinterfragen - aufnahm und verinnerlichte, bis er selber zu einem blinden Gefolgsmann der Mühlen-Meisterin wurde.

Auf inhaltlicher Ebene stand vor allem im Mittelpunkt, dass das übermäßige Streben nach Macht auch immer Opfer fordert – in der Mühle jedes Jahr ein Menschenleben. Die verführerische Verlockung der Macht birgt somit auch immer das Risiko des Missbrauchs. Dies wurde zum Beispiel deutlich, als Krabat von der höhergestellten Meisterin dazu angehalten wurde, sich an seinen Peinigern zu rächen und er kurz davor war, diese umzubringen. Durch die gezielte Manipulation und Indoktrinierung der Meisterin vergaß Krabat folgend immer mehr seine eigenen Werte. Das Motto "It’s only true if it’s true for you!", welches immer wiederholt wurde, spiegelt diese Indoktrinierung besonders wieder. Die Wahrheit der Gruppe ist die einzig richtige, entwickelt sich zur eigenen und alles, was nicht hinein passt, entspricht somit nicht der Wahrheit. Vielfältige Meinungen und eigenes Denken werden unterdrückt. Einzig allein die Liebe und Unschuld von Kantorka konnten Krabat zurück auf den richtigen Weg zu seiner Menschlichkeit führen und das System der Mühle in die Knie zwingen.

Gelegentlich wurden in der Aufführung auch Bezüge zur Gegenwart hergestellt, wie beispielsweise der Wunsch der Meisterin, noch höher auf der Karriereleiter aufzusteigen, CEO zu werden oder in die Politik zu gehen. Auch Jugendwörter wie „creepy“ wurden in den Text eingebunden und Verweise auf Google-Suchanfragen ließen einen Gegenwartsbezug erkennen. Jedoch blieb in dem Stück unklar, welche Funktion hinter diesem Ansatz steckte. Eine Kritik an moderner Wirtschaft, Machtstrukturen und Kapitalismus? Das Aufzeigen einer scheinbar undurchbrechbaren Kontinuität sozialer Ungleichheit? Oder wurde lediglich ein zeitlicher Bezug zum Hier und Jetzt hergestellt? Hiermit wird das Publikum leider etwas alleine gelassen und muss sich seinen Rest dazu selber denken.

Zusammenfassend war die Aufführung eine sehr gelungene und interessante Umsetzung der Krabat-Sage. Besonders die Bühnenpräsenz der Schauspieler*innen, der hervorragende Technikeinsatz durch wirkungsstarke Ton- und Lichteffekte sowie die stimmige Kombination aus chorischen und choreographischen Elementen machten die Aufführung zu einem einmaligen und kurzweiligen Erlebnis!

Hier könnt ihr noch das Feedback zu eurem Stück aus dem Mentimeter lesen: 

  • Beeindruckendes Stück - wow!
  • Ihr habt das ganz toll gemacht. Obwohl das Stück lang war, war es nicht langweilig. Sehr gut gemacht, ihr seid alle tolle Schauspieler.
  • Bestes Stück bis jetzt! Fantasy ist einfach nice.
  • Der Vielfältigkeitsaspekt hat mir leider gefehlt.
  • Tolle schauspielerische Leistung. Top Bühnenbild. Tolle moderne Texte. Hat Spaß beim Zuschauen gemacht!
  • Großartige Darstellung der dummen Jura sowie ein tolles Bühnenbild.
  • Ihr wart toll, gerade die Meisterin.
  • Ihr habt sehr schön die Gefühle rübergebracht. 

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