Blog

Workshop
Workshop 1: No borders - ich passe in keine Form
Theater ohne Grenzen – Ein Workshop der besonderen Art
Schon beim Betreten des Raumes wurde klar: Hier lief nichts nach Schema F. Die Stühle standen ungeordnet im Raum, auf jedem klebte ein Name mit Kreppband befestigt. In völliger Dunkelheit begrüßte Karolin Wunderlich die Teilnehmer*innen und stellte die erste Herausforderung: Augen zu und einander hören. Jede*r sollte den eigenen Namen nennen, aber nie gleichzeitig mit einer Person. Es erforderte höchste Konzentration, ein Gespür für den richtigen Moment. Schritt für Schritt wurde die Übung gesteigert. Zuerst Name, dann Name und Alter, danach Name, Alter und Lieblingsfarbe. Schnell entwickelte die Gruppe ein feines Gefühl für das Zusammenspiel.
Dann wurde der Raum in Bewegung versetzt. Beim anschließenden Raumlauf ließ Karo die Teilnehmer*innen an ihre Grenzen gehen oder lud sie vielmehr ein, diese neu auszuloten. Mit provokanten Fragen brachte sie die Teilnehmer*innen spielerisch aus der Komfortzone: „Was hast du zum Frühstück gegessen?“ oder „Wann hast du das letzte Mal High Heels getragen?“. Es ging nicht um die Antworten selbst, sondern darum, wie sie gegeben wurden. Stimme, Körperhaltung, Ausdruck, alles spielte eine Rolle.
Am Ende des Workshops wurde eine Performance entwickelt, in der jegliche Konventionen gebrochen wurden. Auf der Bühne wurde eine Talentshow angekündigt, doch anstatt erwarteter Darbietungen setzten sich die angekündigten „Künstler*innen“ einfach auf den Boden – ein Bruch mit der Zuschauererwartung, der irritierte und begeisterte zugleich. Dann wurde es chaotisch -gewollt chaotisch. „Arbeitslicht!“ rief eine Teilnehmerin, und plötzlich geschah alles gleichzeitig.
Einige Teilnehmer*innen standen in den Fenstern und schrien sich quer durch den Raum hinweg etwas zu.
Ein kreativer Sturm aus Stimmen, Bewegungen und Impulsen begann. Auf der Bühne standen Hocker, die Moderatorinnen und Teilnehmerinnen der Talentshow standen immer wieder auf, setzten sich wieder hin, standen erneut auf und setzten sich abwechselnd auf die vier Hocker, als würde die Szenerie endlos in einer Dauerschleife gefangen sein.
Die Begeisterung nach dem Workshop war groß. Die Teilnehmer*innen hatten sich ausprobiert, Grenzen überschritten, Rollen hinterfragt und erlebt, dass Theater mehr sein kann als nur vorgefertigte Erzählungen. Wer weiß, vielleicht hat dieser Workshop einige von ihnen dazu inspiriert, auch in Zukunft Grenzgänger*innen zu bleiben.