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Aufführung
Yps und Ixi - Vielfalt statt Anpassung
Dem Wald geht es schlecht. Was kann ihn noch retten?
Die Feen und Feen-Kinder haben einen Verdacht. Könnte der Zank zwischen den zwei Knuffel-Völkern, den Flauschies und Stachlern, der Grund für den schlechten Zustand des Waldes sein? Die Flauschies sind sanfte Wesen mit weichem Fell, die Blumen und zarte Töne mögen. Die Stachler hingegen sind fröhlich laut und rauborstig. Doch Yps ist anders als die anderen Stachler. Während der Rest seines Stammes gerne Steine nascht, etwas ruppig ist und die Fellpflege verabscheut, ist Yps weich und flauschig und wird von ihnen „flauschiges Steinchen“ genannt. Auch Ixi hat von ihren Stammesmitgliedern, den Flauschies, einen Spitznamen erhalten: „Kratzige Blume“ wird sie genannt, weil sie nicht Teil der Flausch-Rituale ihrer Gruppe sein möchte und rüpelhaft sein kann.
Unaufwändig und doch effektvoll spiegelt das liebevoll gestaltete Bühnenbild die konträren Lebensräume der beidem Stämme wieder, in dem je nach Knuffel-Volk eine andere Seite der großen Bäume als Kulisse dient. Bei den Flauschies sind die Baumstämme bunt und mit ausgefallenen Mustern verziert, während an den Bäumen der Stachler Moos wächst.
Die beiden Gruppen sind verfeindet, doch das ist nicht immer so gewesen. Um die Knuffel-Stämme einander wieder näher zu bringen hecken die Feen einen Plan aus. Sie lassen die Außenseiter*innen Yps und Ixi aufeinandertreffen. Dabei merken die beiden, dass sie sich in ihrem Volk nicht wohlfühlen, sie träumen davon zum jeweils anderen Stamm zu gehören und hinterfragen die strenge Aufteilung der beiden Knuffel-Stämme in die zwei verfeindeten Gruppen.
Die Theater-AG der Emmi-Bonhoeffer-Schule, bestehend aus 27 Kindern der Klassen vier bis sechs, hat unter der Leitung von Anna Kirstein etwas Großartiges geschaffen. Eine Botschaft für ein buntes Miteinander, für den Fokus auf Gemeinsamkeiten statt auf Unterschiede, passend zum Thema der Schultheaterwoche 2025: Vielfalt.
Letztere hat im Stück nicht nur einen positiven Einfluss auf das Leben der Knuffels, sondern eben auch auf die Gesundheit des Waldes. Nur wenn die Flauschies und Stachler ihre uralten Rituale kombinieren, hat die Natur eine Chance sich zu erholen. Und dass genau das passieren kann, prophezeien die Feen des Waldes Yps und Ixi, nachdem ihre Stämme sie verstoßen haben. Nur sie, die sich in so starkem Maß von ihren Stammesmitgliedern unterscheiden, können es schaffen, die beiden Knuffel-Völker wieder zu vereinen.
Das Happy End, die Versöhnung der Flauschies und Stachler, wird von dem jungen Ensemble in Standbildern dargestellt. Die Standbilder waren sehr eindrücklich, jedoch wurde durch sie leider nicht deutlich, wie genau Yps und Ixi es geschafft haben ihre Völker zu vereinen. Eine inhaltliche Leerstelle, die noch gefüllt werden darf!
Die Genesung des Waldes wird mit einem gemeinsamen Tanz und einem fröhlichen Lied gefeiert: „Ich lieb die Natur, ja ich lieb sie so sehr“. Es wäre hierbei sehr schön gewesen, die Kinder live auf der Bühne singen zu hören, anstatt mit einer Aufnahme zu arbeiten. Denn ein besseres und positiveres Ende als Live-Gesang kann es ja gar nicht geben, oder?
Besonders positiv kann zudem hervorgehoben werden, dass die Kinder den großen Theatersaal zumeist mit sehr klaren und lauten Stimmen erfüllt haben. Auch kleinere Aufgang- und Text-Patzer wurden cool überspielt.
Insgesamt ist das Publikum dahingeschmolzen. Die Kinder aus Pönitz haben sich in die Herzen des Publikums gespielt und dieses mit ihrer Energie und Spielfreude verzaubert.
Von Lara Schimmer & Stella Venus Gnilka